Leider hört man noch immer sehr oft, dass der eigene Hund aufgrund unterschiedlicher Verhaltensweisen dominant sei.
In dem Beitrag kläre ich darüber auf, was „Dominanz“ eigentlich ist, wo wir sie finden und was „dominante“ Hunde eigentlich sind.
„Der ist so dominant!“
Oft wird der (eigene) Hund als „dominant“ bezeichnet, wenn er viel bellt, oft offensives (oder auch“direktes“) Aggressionsverhalten zeigt, schnell „nach vorne geht“ oder auch in manchen Situationen aufreitet.
Und auch meinem Hund wurde damals als Junghund schon dominantes Verhalten unterstellt, weil er mit 16 Wochen schon das Bein gehoben hat zum urinieren und später aufgrund eines gesundheitlichen Problems mehrfach in die Wohnung gekotet hat…
ABER alle diese Sachen – von Bellen bis hin zum in die Wohnung koten – sprechen eigentlich gegen Dominanz im ethologischen Sinne!
Was ist Dominanz?
Zu dem Wort „Dominanz“ gibt es viele Definitionen aus unterschiedlichen Bereichen.
Hier einige aus der Ethologie:
→ (..) ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen gegenüber einem anderen Individuum bzw. einer Gruppe einen höheren sozialen Status hat (..)
(Wikipedia)
→ (…) biosoziale Status, der dem dominierenden Individuum in einer bestimmten Umweltbeziehung ein „Vorrecht“ gegenüber anderen sichert. (…)
(Spektrum der Wissenschaft)
→ (…) Eigenschaften einer Beziehung zwischen zwei oder mehreren Individuen einer Spezies. Sie regelt soziale Konflikte und trägt dazu bei, dass offenes Aggressionsverhalten unnötig wird (…)
(Happy Fellows)
Wir sehen also…
Dominanz ist nach den Definitionen also folgendes
- eine situations- und kontextabhängige Beziehungseigenschaft
Je nach Situation und Kontext, in dem man sich befindet, ist mal das eine Lebewesen und mal das andere Lebewesen dominant.
Dominanz als fixe Charaktereigenschaft, die man eben hat oder nicht, gibt es also nicht.
- existiert zwischen Individuen EINER Spezies
Eine Ratte kann gegenüber einer anderen Ratte dominant sein und ein Hund gegenüber einem anderen Hund. Aber ein Hund kann uns Menschen nicht dominant gegenüber sein – das gibt es einfach nicht. - verhindert offensives (also „direktes“) Aggressionsverhalten
Obwohl Hunde, die oft genau so ein „aggressives“ Verhalten zeigen, als „dominant“ abgestempelt werden, soll Dominanz eigentlich Konflikte, die gefährlich und energieraubend sein können, verhindern!
- ist wichtig für ein friedliches Zusammenleben (in einer Gruppe, in einem Sozialverband, …)
Wie schon geschrieben, verhindert Dominanz eben gefährliche und energieraubende Konflikte und sorgt für ein friedliches Zusammenleben.
- ein „ich habe die Situation im Griff“
Dominanz ist nicht immer den Stärksten einer Gruppe vorbehalten (ist es eigentlich selten…), sondern hängt auch von gemachten Erfahrungen, Intelligenz und anderen Faktoren ab!
So kann der Affe, der körperlich eigentlich schwach ist, aber als einziger weiß, wie man eine bestimmte Frucht öffnet, auch dominant sein.
Schnelle Eskalation
Ein Hund der schnell eskalierend reagiert, „sofort“ in die Leine springt, alles und jeden anbellt oder sogar anknurrt oder auch die Bezugspersonen „anrammelt“, ist nach der ethologischen (verhaltensbiologischen) Definition nicht „dominant“.

Diese Verhaltensweisen sprechen eher für Stress, Überforderung und auch Unsicherheit.
Und jetzt, wo man weiß, dass der eigene Hund nicht „dominant“ ist, sondern eine andere Ursache hinter dem Verhalten steckt, kann man (endlich) angemessen handeln!
Fazit
Der eigentliche (und ethnologische) Dominanzbegriff ist definitiv nicht das, was im Alltag darunter verstanden wird.
Dominanz ist salopp gesagt ein „Ich habe die Situation im Griff“ zwischen Individuen einer Spezies. Und in manchen Situationen hat mal das eine Lebewesen alles im Griff und in anderen Situationen ist es eben das andere Lebewesen.
Hunde, die oft als „dominant“ abgestempelt werden, sind oft gestresst, überfordert oder unsicher und genau diese Hunde brauchen eigentlich Unterstützung und keine „Dominanz“ Labels.
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