In der Hundeerziehung stößt man früher oder später auf den Begriff Lerntheorie. Die Lerntheorie bildet die Grundlage dafür, wie Hunde lernen, Verhalten entwickeln und mit ihrer Umwelt umgehen.
Ein gutes Verständnis dieser Prinzipien hilft, Hundeverhalten zu verstehen und Training fair sowie effektiv zu gestalten.

Wichtig! Die Lerntheorie ist natürlich nicht nur für Hunde gültig. Auch andere Tiere – Wirbellose und Wirbeltiere – lernen so, wie es in der Lerntheorie beschrieben wird. 

Operante Konditionierung – Lernen über Konsequenzen

Die operante Konditionierung wurde erstmals von B.F. Skinner begründet. Sie beschreibt, dass Verhalten durch die auf das Verhalten folgende Konsequenzen beeinflusst wird.
Obwohl wir im alltäglichen Sprachgebrauch mit der „Konsequenz“ etwas negatives und unangenehmes verbinden, meint dieser Begriff in der Lerntheorie lediglich das, was auf ein Verhalten folgt – die Konsequenz kann positiv und angenehm oder negativ und unangenehm für den Hund sein.

Grob geschieht bei der operanten Konditionierung folgendes:
Signal/Reiz → Verhalten → Konsequenz.

Die Konsequenzen können sogenannten Quadranten zugeordnet werden. Hier ein Überblick:

  1. Positive Verstärkung: Etwas Angenehmes wird hinzugefügt → das Verhalten wird mit einer höheren Wahrscheinlichkeit das nächste mal auch gezeigt → Verhalten wird häufiger.
    Beispiel: Hund setzt sich, bekommt ein Futterstück → Hund setzt sich künftig öfter.
  2. Negative Verstärkung: Etwas Unangenehmes wird entfernt → das Verhalten wird mit einer höheren Wahrscheinlichkeit das nächste mal auch gezeigt → Verhalten wird häufiger.
    Beispiel: Die Leine übt Druck aus, Hund bleibt stehen, Druck lässt nach → Hund bleibt künftig öfter stehen.
  3. Positive Strafe: Etwas Unangenehmes wird hinzugefügt → das Verhalten wird mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit auch das nächste mal gezeigt → Verhalten wird seltener.
    Beispiel: Hund bellt, ein Leinenruck wird ausgeübt → Bellen nimmt ab.
  4. Negative Strafe: Etwas Angenehmes wird entfernt → das Verhalten wird mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit auch das nächste mal gezeigt → Verhalten wird seltener.
    Beispiel: Hund springt hoch, Mensch entzieht Aufmerksamkeit → Hochspringen nimmt ab.

Wichtig!

  • Bei der operanten Konditionierung geht es um die Veränderung von bewusst gezeigtem Verhalten. 
  • Was als Verstärkung oder Strafe erlebt wird, ist individuell! Für manche Hunde ist vielleicht ein Spiel gar keine Belohnung, für andere aber schon. 
  • Wenn sich das Verhalten nicht verändert, dann ist die Konsequenz nicht passend ODER das Timing war nicht richtig! Die Konsequenz muss dann entweder entsprechend angepasst werden oder der zeitliche Abstand zwischen Verhalten und Konsequenz muss verändert werden! (meist ist der Abstand zu lang)

Klassische Konditionierung – Lernen über Verknüpfungen

Die klassische Konditionierung wurde von dem russischen Forscher Iwan Pawlow begründet.
Bei der klassischen Konditionierung geht es um emotionale Verknüpfungen.
Ein neutraler Reiz wird mit etwas Bedeutungsvollem verknüpft.

Der Pawlow’sche Hund ist hier ein klassisches Beispiel: zunächst gibt es zwei Reize. Ein Reiz (hier die Glocke) hat keine Bedeutung. Der andere Reiz (Futter) hat eine positive Bedeutung. Kurz bevor dem Hund das Futter präsentiert wurde, wurde die Glocke geläutet. Der Hund hat also gelernt, dass das läuten der Glocke das Futter vorhersagt. Nach einigen Wiederholungen hat das Läuten der Glocke gereicht, um beim Hund Speichelfluss auszulösen und ihn in eine positive Erwartungshaltung zu bringen. Immerhin folgt auf das läuten der Glocke das Futter.

Auch der Clicker wird mittels klassischer Konditionierung konditioniert.
Ein Klicker-Geräusch (neutral) wird immer mit tollen Futterstück kombiniert (sehr positiv). Der Hund lernt, dass das „Klick“ bedeutet, dass gleich Futter kommt und freut sich (hat eine positive Emotion, ist in einer positiven Erwartungshaltung). 

Wenn dann mit dem klassisch konditionierten Klicker über die operante Konditionierung trainiert wird, bekommt das Training von Anfang an eine positive Bedeutung.
Beispiel: Man sagt „Sitz“ und der Hund setzt sich hin. Der Klicker (und sein „Klick“) ist das Zeichen für den Hund, dass er jetzt etwas richtiges gemacht hat und dass gleich etwas cooles kommt. Man sagt auch, dass der Klicker als sekundärer Verstärker den primären Verstärker ankündigt.

Das kann auch in eine negative Richtung gehen, darum ist es wichtig, dass bei der klassischen Konditionierung aufgepasst wird! 

Gegenkonditionierung – Emotionen neu bewerten

Die Gegenkonditionierung ist eine Trainingsmethode, um negative Emotionen beim Hund durch positive (oder zumindest neutrale) Emotionen zu ersetzen. 

Beispiel: Der Hund hat Angst vor fremden Hunden. Sieht er einen Artgenossen, bekommt er ein besonderes Futterstück. Nach einer Weile verbindet er die fremden Hunde nicht mehr mit Angst, sondern mit etwas Positivem. Auch hier muss man auf das Timing achten! Der Klicker kann hier auch ein großartiges Tool sein! 

Achtung! Diese Erklärung war stark vereinfacht! 

Desensibilisierung – Schritt für Schritt entspannen lernen

Desensibilisierung beim Hund bedeutet, einen angstauslösenden oder aufregenden Reiz so sanft und kleinschrittig zu präsentieren, dass der Hund dabei entspannt bleiben kann.

Beispiel: Der Hund hat Angst vor dem Staubsauger.
Zuerst Staubsauger ausgeschaltet im Raum → Hund bleibt entspannt, schaut sich den Staubsauger entspannt an → bekommt eine Belohnung.
Später wird der Staubsauger leise einschalten, weit weg (in einem anderen Raum vielleicht) → der Hund bleibt entspannt → Belohnung.
Das Dasein des Staubsaugers wird in der Lautstärke und Reizintensität langsam gesteigert, bis der Hund auch beim Benutzen des Staubsaugers gelassen bleiben kann.

Oft wird die Desensibilisierung mit der Gegenkonditionierung kombiniert (so wie eigentlich auch in dem Beispiel, wenn man genau sein will!)

Habituation (Gewöhnung) – Reize verlieren ihre Bedeutung

Habituation bedeutet, dass ein Hund sich an einen Reiz gewöhnt, weil dieser keine (negative) Konsequenz hat.

Beispiel: Ein Hund geht spazieren, von hinten kommt ein Radfahrer. Der Radfahrer fährt vorbei und der Hund erfährt keine (negative) Konsequenz. Er gewöhnt sich an den Radfahrer. 

Wichtig: Habituation funktioniert nicht bei Ängsten beziehungsweise bei schon negativ verknüpften Reizen, sondern nur bei neutralen Reizen, mit denen der Hund noch keine (schlechte) Erfahrung gemacht hat. Hat der Hund schon eine negative Emotion zu diesem Reiz, braucht es gezieltes Training!
Habituation geht zudem oft mit einem (kurzen) Schreckreiz einher. Kommt der Radfahrer von hinten, wird sich der Hund kurz erschrecken, bevor er den Radfahrer als „ok“ einordnet! 

Sozialisierung beim Welpen – die prägende Phase

Die Sozialisierungsphase beim Hund (ca. 3.–14. Woche) ist entscheidend. Alles, was Welpen in dieser Zeit erleben, prägt sie fürs Leben.
Sozialisierung bedeutet aber nicht, dass der Hund neben die Triesterstraße (viel befahrene Straße in Wien) gestellt wird, das aushalten muss und am Ende dann behauptet wird, dass der Hund nun sozialisiert sei!

Sozialisierung setzt immer eine positive Verknüpfung voraus, weshalb es wichtig ist, dass hier ein kleinschrittiger Aufbau mit Verstärkung gewählt wird. 

Positive Erfahrungen mit

  • Menschen verschiedener Altersgruppen
  • anderen Hunden & Tieren
  • Alltagsgeräuschen wie Staubsauger oder Straßenverkehr
  • unterschiedlichen Untergründen und Umgebungen

sind wichtig! 

Werden in dieser Zeit wichtige Reize nicht kennengelernt oder negativ verknüpft, kann es später zu Unsicherheiten oder Ängsten kommen.

Fazit

Die Lerntheorie macht Training verständlicher

Die Lerntheorie im Hundetraining ist keine trockene Theorie – sie erklärt, wie Hunde wirklich lernen.

  • Operante Konditionierung: Verhalten über Konsequenzen.
  • Klassische Konditionierung: Verknüpfungen zweier Reize.
  • Gegenkonditionierung & Desensibilisierung: unverzichtbar im Training mit Emotionskomponente.
  • Habituation: Gewöhnung an irrelevante Reize.
  • Sozialisierung: Grundstein für das ganze Hundeleben.

Wer diese Grundlagen versteht, trainiert nicht nur effektiver, sondern auch fairer und hundgerechter.

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