Das ist ein Satz, den man häufig hört!

Ich möchte aber anhand der Lerntheorie zeigen, wieso das Blocken beziehungsweise generell der Einsatz von verhaltenshemmenden Methoden funktionieren und was allerdings das Problem dabei ist!

Also beginnen wir! 

Lerntheorie

Weil die Analyse auf Basis der Lerntheorie erfolgt, möchte ich hier einen kleinen Überblick darüber geben! Die operante Konditionierung ist ein Teil der Lerntheorie. Hier wird über die Konsequenz gearbeitet. Also:

Signal/Reiz → Verhalten wird gezeigt → Konsequenz.

Wie die Konsequenz ausfällt, bestimmt darüber, ob ein Verhalten wahrscheinlicher oder weniger wahrscheinlicher gezeigt wird!

Hier kurz die vier Quadranten!

  1. Positive Verstärkung → etwas Angenehmes wird hinzugefügt (Futter, Spiel, Buddeln, Lob, …) → Verhalten wird verstärkt → Verhalten wird wahrscheinlich (Beispiel: Hund baut Blickkontakt auf und wird dafür gelobt)
  2. Positive Strafe → etwas Unangenehmes wird hinzugefügt → Verhalten wird gehemmt → Verhalten wird weniger wahrscheinlich (Beispiel: Hund bellt einen Radfahrer an und kriegt einen Leinenruck)
  3. Negative Verstärkung → etwas Unangenehmes wird entfernt → Verhalten wird verstärkt → Verhalten wird wahrscheinlicher (Beispiel: der Hund sieht einen Radfahrer als unangenehmen Reiz und der Abstand zum Radfahrer wird vergrößert. ODER nach einem Leinenruck wird das unangenehme Gefühl entfernt)
  4. Negative Strafe → etwas Angenehmes wird entfernt → Verhalten wird gehemmt → Verhalten wird weniger wahrscheinlich (Beispiel: Hund springt hoch, ich drehe mich um und entferne meine Aufmerksamkeit)

Was der jeweilige Hund als Verstärkung oder als Strafe wahrnimmt, ist individuell! Es geht aber immer darum, dass am Ende Verhalten verändert wird. Bleibt das Verhalten aber gleich und verändert sich (auf die Dauer) nicht, war die Konsequenz nicht die richtige!!!

Mehr dazu kannst du in meinem Beitrag zum Thema Lerntheorie finden! 

Aversives Hundetraining

Beim aversiven Hundetraining wird hauptsächlich und bewusst über für den Hund unangenehme bis schmerzhafte Reize gearbeitet, mit dem Ziel, Verhalten zu hemmen.

Und ja – Training über hemmende Methoden funktioniert. Es funktioniert, wenn man die Konsequenz in der richtigen Intensität wählt und im richtigen Moment einsetzt, sogar ausgezeichnet! Und sehr schnell! 

Aber auch nur, wenn wir uns ausschließlich auf die von außen sichtbare, momentane Verhaltensänderung konzentrieren und die Emotionen sowie das zukünftig womöglich gezeigte Verhalten des Hundes außen vor lassen!

Hinzuzufügen ist auch, dass der unangenehme Reiz immer wieder gesetzt werden muss, damit der Hund das „falsche“ Verhalten weiterhin nicht zeigt. Oder man wählt schon am Anfang einen so hemmenden Reiz, dass der Hund niemals nie auf die Idee kommt, sich da mal wieder ranzuwagen.

Blockieren mit dem Fuß anhand der Lerntheorie

Der Hund findet es zu 99,99% nicht leiwand (wienerischer Begriff für „lustig“ oder „angenehm“), wenn da aus dem Nichts der Fuß vor ihm landet. Das bedeutet, wir müssen uns mal anschauen, in welchem Quadranten der operanten Konditionierung etwas Unangenehmes hinzugefügt wird und wir merken recht schnell, dass wir uns in der positiven Strafe befinden.

Nachdem der Fuß wieder weggenommen wird, gehen wir in die negative Verstärkung über. Wir entfernen den als unangenehm wahrgenommenen Fuß wieder und verstärken so genau das Verhalten, das wir davor durch Hemmung erhalten haben.

Und jetzt kommt das Spannende: Würde der Hund in dem Fall den Fuß nicht als unangenehmen Reiz empfinden, würde es zu keiner Verhaltensänderung kommen!

Würde der Hund also den Fuß sehen und sich denken „ja gut ok…da ist jetzt ein Fuß, egal“, dann würde er zum Beispiel weiterhin vor uns laufen und nicht aus „Angst“ oder „Beeindruckt sein“ nur noch hinter uns laufen.

Wenn der Hund nun tatsächlich den hingestellten Fuß nicht als unangenehme Konsequenz wahrnimmt, wird versucht, den unangenehmen Reiz noch unangenehmer zu gestalten. Dann wird der Fuß energischer hingestellt oder es wird auch aufgestampft.
Die Konsequenz wird  also immer so gestaltet, dass sie auch als solche wahrgenommen wird und in dem Fall soll die Konsequenz als unangenehm wahrgenommen werden.

 „Aber mein Hund…“

Ja … wie das dann der Hund wahrnimmt und wie er darauf reagiert, ist auf individueller Basis unterschiedlich.
Viele Hunde akzeptieren schon eine leichte Hemmung und stoppen dann das Verhalten. Sie empfinden also das mit dem Fuß blockieren als unangenehm genug, um ihr Verhalten zu hemmen.

Andere Hunde müssen eine etwas „stärkere“, unangenehme Konsequenzen erleben, damit es als solche wahrgenommen wird. Aber ab einer gewissen Intensität werden auch diese Hunde die Konsequenz als unangenehm genug empfinden und das Verhalten hemmen. 

Und wieder andere Hunde sind dann aber womöglich extrem beeindruckt, weil selbst das „ach so sanfte“ hinstellen des Fußes zu viel unangenehme Konsequenz ist. Solchen Hunden empfinden dann oft auch ein „zu böses anschauen“ als unangenehm, weshalb hier besonders gut aufgepasst werden muss! 

Und selten, aber doch lassen sich das Hunde absolut nicht gefallen und reagieren dann auch sehr harsch auf das regelmäßige Hinzufügen einer unangenehmen Konsequenz.

Diese Variabilität in der Reaktion der Hunde zeigt also wieder, wie viel sich unsere Hunde eigentlich gefallen lassen!!!

 „Ja, aber blocken ist nicht so schlimm!“

Nochmal: würde der Hund das Blocken nicht als unangenehme Konsequenz empfinden, dann würde sich das Verhalten nicht ändern! Dann würden wir bis in die Unendlichkeit den Hund mit dem Fuß blocken müssen oder die Intensität der unangenehmen Konsequenz verstärken. 

Konsequenzen

Was dazu kommt: Damit eine Konsequenz mit dem davor gezeigten Verhalten verknüpft werden kann, muss sie circa 0,5 – 1,5 Sekunden nach dem Verhalten zum Einsatz kommen und das in der richtigen Intensität. Das ist auch bei aversiven Methoden sehr schwer – was ist unangenehm genug, was ist zu wenig unangenehm und was ist zu unangenehm? Und wann sind diese 0,5 – 1,5 Sekunden vorbei? (Im positiven Training hilft uns da übrigens der Clicker).

Passiert die Konsequenz zu spät oder falsch, wird sie nicht mehr mit dem eigentlichen „Fehl“-Verhalten verknüpft. 

Eine weitere Gefahr ist die mögliche Fehlverknüpfung mit fast allem möglichen…. 

Wenn der Hund zum Beispiel einen anderen Hund aus Angst anbellt und dann womöglich einen schmerzhaften Leinenruck bekommt, kann es sein, dass er den Schmerz mit dem Hund verbindet, vor dem er eh schon Angst hat (immerhin schaut er den Hund wahrscheinlich auch an, während er den Leinenruck bekommt!)

Und ja – diese Fehlverknüpfungen passieren auch in der positiven Verstärkung, aber dann ist zum Beispiel der Angst machende Hund mit einem Leckerli verknüpft, was lerntheoretisch tatsächlich gar nicht so schlimm ist (siehe wieder meinen Beitrag zur Lerntheorie)

Weitere Folgen

Der Hund lernt hierbei meistens nicht, welches Alternativverhalten das richtige wäre, sondern nur, dass dieses und jenes Verhalten falsch ist. Zudem lernen Hunde, dass ihre Sozialpartner:innen nicht unbedingt zuverlässig sind. Immerhin landet da regelmäßig der Fuß vor dem Hund. Beziehungsweise kommt in manchen Fällen auch in großer Angst plötzlich ein Schmerzreiz dazu (Hund hat Angst vor anderen Hunden, bellt diese Hunde an und kriegt einen Leinenruck). 

Wie schon geschrieben, kann es dann auch sein, dass die Konsequenz (in unserem beschrieben Fall der Fuß) intensiver eingesetzt werden muss. Es kann auch mit der Zeit sein, dass der Hund sich an den normalen Fuß gewöhnt („Ja gut…da ist halt wieder dieser komische Fuß…“) und die am Anfang „leichte“ Konsequenz intensiver gestaltet werden muss. So bewegt man sich in einer möglichen Gewaltspirale immer weiter abwärts.  

Dass der Hund irgendwann nicht mehr motiviert sein wird, mitzuarbeiten, unsicher im Umgang mit euch wird (wann kommt die nächste Hemmung?) und euch nicht mehr als vorhersehbare und vertrauensvolle Sozialpartner:innen sieht, ist hier nicht verwunderlich. 

Fazit

Die Frage ist also NICHT, ob hemmende Methoden funktionieren! Das tun sie (,wenn man nur einen kurzen Zeitraum betrachtet und das Innenleben des Hundes außen vor lässt)! Und das bestreitet eigentlich auch keiner.
Die Frage ist, ob man so arbeiten will, ob man das mit sich selbst vereinbaren kann und ob man mit den möglichen (und recht sicher auftretenden) Folgen umgehen kann! 

Aufgepasst!

Auch im positive Hundetraining wird manchmal mit der negativen Strafe gearbeitet.

Wenn zum Beispiel der Hund hochspringt (und so unerwünschtes Verhalten zeigt), dreht man sich oft kurz weg, wartet auf das wieder richtige Verhalten und verstärkt dann das richtige Verhalten!

Aber der Einsatz passiert bewusst, nur kurz und danach kommendes, richtiges Verhalten wird wieder verstärkt, um dem Hund klar zu signalisieren, dass DIESES Verhalten das gewollte ist.

Die Basis des Trainings ist weiterhin positive Verstärkung und es wird versucht, Situationen so zu gestalten, dass sie der Hund gut absolvieren kann und man im Optimalfall nur positiv Verstärken muss – Thema „Set the Stage“!

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