Es kommt mir immer wieder unter: (neue) Hundebesitzer:innen suchen eine:n Hundetrainer:in (bzw. eine Hundeschule).

Auf der Webseite klingt alles toll – es wird auf den Hund geachtet, es wird so kommuniziert, dass es dem Hund gerecht wird, der Hund soll nicht von Leckerli abhängig werden und es wird komplett ohne Strafe gearbeitet, denn das ist wissenschaftlich schon lange nicht mehr aktuell.

Das klingt eigentlich wirklich toll oder?
Und um fair zu sein: ich bin damals auch drauf reingefallen, als ich mit meinem ersten Hund eine Hundeschule gesucht habe.
Aber das Problem daran: das sind meistens schöne Worte ohne viel dahinter.

Hündische Kommunikation

So kommunizieren, dass es dem Hund gerecht wird, ist meist eine schöne Umschreibung, für Blocken, Bedrohen, den Hund anknurren oder sogar anbellen. Denn man muss wie ein Hund kommunizieren und die machen das doch auch so!

Das Problem daran: Hunde kommunizieren sehr sehr spät so… davor kommt die Kommunikation durch Wegschauen, Wegdrehen, Piloerektion, Leftzen raufziehen, Körperschwerpunkt nach vorne verlagern, …

Bis Hunde sich anknurren, anbellen oder gar blocken, passiert also enorm viel, was wir als Mensch gar nicht „nachmachen“ können (selbst, wenn wir uns bemühen würden).

Dazu kommt, dass das „sofort ins körperliche gehen“, ohne davor zu beschwichtigen und zu versuchen, den Konflikt zu lösen, eher unsicheren Hunden zugeschrieben werden kann. Will man so auf den Hund wirken? Eskalierend, reaktiv und unsicher?

Und ja, Körpersprache ist wichtig, aber nachdem wir Menschen sind, ist menschliche Körpersprache meist genug. Dazu zählt zum Beispiel ein freundliches Einladen, ein Körperspannung halten, aber auch ein Lächeln. 

Spannende Information am Rande: oft wird hier mit großer Angst gearbeitet, was in Österreich in der Ausbildung von Hunden nach dem Tierschutzgesetz sogar verboten ist! 

Der leckerlisüchtige Hund 

Auf einigen Webseiten wird beschrieben, dass ohne Leckerli (bzw. Futter) gearbeitet wird, da der Hund das Verhalten nicht nur dann zeigen soll, wenn es etwas für dieses Verhalten dafür gibt, sondern von sich aus zeigen soll. Es wird also durch die Blume behauptet, dass das Geben von Futter eine Bestechung ist, in Wahrheit ist sie aber eine positive Verstärkung!
Es ist ein wichtiger Unterschied, ob es sich also um eine Belohnung („Hast du super gemacht! Hier hast du deine Belohnung!“) oder um eine Bestechung („Wenn du das machst, dann kriegst du das!“) handelt.

Außerdem geht es beim positiven Hundetraining auch nicht um das „Herumwerfen von Leckerli“, sondern um das Verstärken von Verhalten mittels positiver Verstärker. Dazu zählen auch Spiele, verbales Lob, gemeinsames Laufen, … .
Doch Futter ist am Ende des Tages eine sehr einfache positive Verstärkung, die man auch schnell parat hat! 

Training ganz ohne Strafe! 

Im positiven Hundetraining wird auf Basis der positiven Verstärkung gearbeitet. Erwünschtes Verhalten wird durch eine positive Verstärkung verstärkt, sodass dieses Verhalten in Zukunft wahrscheinlicher auftritt.

Aber gänzlich ohne (negative) Strafe zu arbeiten, ist kaum möglich (aus lerntheoretischer Sicht). Jedes Wegdrehen, wenn der Hund zum Beispiel hoch springt, ist streng genommen eine Strafe, da etwas Angenehmes – unsere Aufmerksamkeit – entfernt wird. (Negative Strafe: Angenehmes wird entfernt → negative Strafe)

Und Hundetrainer:innen, die eine richtige Ausbildung haben und die sich auskennen, wissen das auch. Trotzdem wird versucht, Strafen so selten wie möglich einzusetzen und Situationen machbar zu gestalten. Aber nachdem natürlich Training nicht nur unter durch uns kontrollierbare Faktoren besteht, sondern auch mal aus einer Überraschung, kommen wir womöglich an einem kurzen Umdrehen gar nicht vorbei. 

Wichtig ist aber auch: im positiven Hundetraining werden von dem Menschen nicht bewusst und beabsichtigt positive Strafen (Etwas Unangenehmes wird hinzugefügt) eingesetzt.

Fazit

Oft verstecken sich hinter netten Phrasen leere Versprechen. Deshalb ist es wichtig, bei der Auswahl einer Hundeschule oder einer:m Hundetrainer:in kritisch zu sein, die Inhalte auf der Webseite zu hinterfragen und nach den Aus- und Fortbildungen zu schauen. Ruft gerne bei der Hundeschule oder der:m Hundetrainer:in an und informiert euch über die Arbeitsweise oder schaut auf den sozialen Medien nach, wie das Training dort grob abläuft – sofern es hierzu Inhalte gibt. 

Bucht außerdem nicht sofort einen Block aus 10 Stunden, auch wenn es billiger ist und es „zufällig“ gerade ein besonderes Angebot für diesen 10 Stunden Block gibt. Schaut euch mal in einer Stunde an, wie dort gearbeitet wird, stellt Fragen und wenn ihr euch nicht wohl fühlt, dann vertraut auf euer Bauchgefühl.

Wichtige Information für die österreichischen Leser:innen! 

In Österreich darf Hundetraining von jeder Person durchgeführt werden. Sei es von einer Person mit fundierter Ausbildung und mehreren Fortbildungen oder von einer Person, die womöglich noch nie einen Hund in echt gesehen hat. Dementsprechend schwankt die Qualität des Hundestranings sehr stark und auch das Wissen der Hundetrainer:innen ist nicht auf einem gleichen Level. Es gibt aber eine Prüfung, die freiwillig abgelegt werden kann und die zeigt, dass man sich beim Hundetraining an wissenschaftliche Fakten hält, sich weiterbildet und Ahnung von der Materie hat. 

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